„Jemand da?” fragt der Vater beim Öffnen der Wohnungstür, wenn er von einer Reise zurückkommt. So ruft ein Fremder, der an der Pforte vergeb­lich klingelt. „Jemand da?“ heißt, ich klopfe an, im buchstäblichen oder über­tragenen Sinn. Ich stehe an der Schwelle und bitte um Einlaß. Ich bin ängstlich und hoffnungsvoll zugleich, daß ich bald nicht mehr allein sein werde. Mit der Frage „Jemand da?“ werden Räume gewechselt, Grenzen überschritten, Begegnungen begonnen.

 

Die Bilder von Ulli Beckers erzählen von Räumen, von öffentlichen und privaten, und von Menschen, wie sie sich darin geben und bewegen, wie sie sich einrichten, wo sie arbeiten und wie sie leben. Räume sind wie Porträts, weil sich in ihnen das Wesen von Menschen widerspiegelt. Nicht zufällig unterscheidet die Künst­lerin „Wohnungsporträts“, mit den Titeln „Berliner rettet den Feierabend“ und „High­Tech­Wohnung am Savignyplatz“, von „Raumporträts“ mit Titeln wie „Ber­linische Galerie“ und „Staatsbibliothek“. Auch die Karteikartenserien, Büro­, Tanzstunden­, Tangoserie, sind Geschichten über Menschen in Räumen und in cha­rakteristischen Situationen, persönlich, sympathisch und voller Humor.

Die intimsten Räume von Ulli Beckers betreten wir in den „Hellen Akten“ und in der aktuellen Serie, aus der die Ausstellung ihren Titel erhielt: „Brüderchen und Schwesterchen — Heimspiel“. In ihrer individuellen Sicht auf den Menschen­körper und den thematischen Varianten über die enge geschwisterliche Verbindung zeigt die Künstlerin, wie sehr sie dem Menschlichen zugewandt ist. Wir folgen ihr gern darin bis zu den großformatigen Ölbildern mit den Titeln „Bruder“, „Geschwister“ oder „Sherpamädchen aus dem Solokhumbu“.

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Text von Dr. Sibylle Ehringhaus zu der Ausstellung

„Jemand da”  in Regensburg, 2011